LibreOffice vs. Microsoft Office: Was wirklich funktioniert — Erfahrungsbericht aus 50+ Migrationen

Kann LibreOffice Microsoft Office wirklich ersetzen? Nach über 50 durchgeführten Migrationen in deutschen und Schweizer Unternehmen weiss ich: Für 90 % der Büronutzer — ja, vollständig. Für die restlichen 10 % gibt es Workarounds. Was funktioniert, was nicht, und wo die Grenzen ehrlich liegen.

GM
Giuseppe Marrali Linux-Infrastruktur Architekt · Erdea Solutions
📅 Mai 2026 ⏱ 9 Min. Lesezeit 💼 Für KMU & IT-Verantwortliche

Vorab: Eine ehrliche Einschätzung

LibreOffice ist kein perfekter Microsoft Office-Klon. Wer das erwartet wird enttäuscht. LibreOffice ist eine eigenständige, ausgereifte Office-Suite die für die grosse Mehrheit der Büroaufgaben vollständig ausreicht — und in manchen Bereichen sogar besser ist als Microsoft Office.

Nach über 50 Migrationen in Unternehmen unterschiedlicher Grösse kann ich sagen: Etwa 90 % der Mitarbeiter bemerken nach zwei Wochen keinen Unterschied mehr. Die restlichen 10 % haben spezifische Anforderungen die Workarounds brauchen — oder in seltenen Fällen doch Microsoft Office.

„Nach einer Woche hab ich ehrlich gesagt vergessen dass ich kein Word mehr habe.“

— Büroleiterin, Handwerksbetrieb, 8 Mitarbeiter, Zürich

Funktion für Funktion — der ehrliche Vergleich

BereichMicrosoft OfficeLibreOffice
Textverarbeitung★★★★★★★★★☆ — für 95% ausreichend
Tabellenkalkulation★★★★★★★★★☆ — Grundfunktionen identisch
Präsentationen★★★★★★★★☆☆ — einfacher, weniger Animationen
.docx/.xlsx Kompatibilität★★★★★★★★★☆ — gut, komplexe Formatierungen beachten
Makros (einfach)✓ VBA✓ Basic (ähnlich, nicht identisch)
Makros (komplex)✓ vollständig✗ VBA-Makros müssen angepasst werden
PDF-Export✓ sehr gut, direkt integriert
DatenbankmodulAccess (teuer)✓ Base (kostenlos)
Formeln & Funktionen✓ umfangreich✓ nahezu identisch
Pivot-Tabellen★★★★★★★★☆☆ — vorhanden, weniger komfortabel
Lizenzkostenab 69 €/Jahr/User0 € — für immer
DSGVO / revDSGTelemetriedaten an MSKein Datenaustausch

Was wirklich problemlos funktioniert

Das sind die Aufgaben bei denen ich nach einer Migration nie Probleme gesehen habe:

  • Briefe, Berichte, Angebote und Verträge schreiben
  • Word-Dateien (.docx) öffnen, bearbeiten und zurückspeichern
  • Excel-Tabellen für Buchhaltung, Lager, Planung
  • E-Mail-Vorlagen und Serienbrief-Funktion
  • PDF direkt aus jedem Dokument exportieren
  • Rechnungen und Formulare erstellen
  • Einfache Präsentationen für Kundentermine

💡 Wichtig zu wissen: LibreOffice speichert standardmässig im Open Document Format (.odt, .ods). Für den Austausch mit Microsoft-Nutzern speichern wir in den Einstellungen standardmässig .docx/.xlsx als Exportformat — ein Klick, einmal eingestellt.

Wo die Grenzen liegen — ehrlich

Es gibt Szenarien in denen LibreOffice an Grenzen stösst. Diese sollten Sie kennen bevor Sie migrieren:

Komplexe VBA-Makros

Unternehmen die intensiv mit Word- oder Excel-Makros (VBA) arbeiten müssen diese anpassen. LibreOffice verwendet eine eigene Makrosprache (Basic) die ähnlich ist aber nicht identisch. Einfache Makros laufen oft ohne Änderung, komplexe müssen überarbeitet werden. Das ist Arbeitsaufwand — bei dem wir helfen können.

Spezielle PowerPoint-Animationen

Präsentationen mit aufwändigen Animationen und Übergängen sehen in LibreOffice Impress manchmal anders aus als in PowerPoint. Für Unternehmen die hauptsächlich einfache Business-Präsentationen erstellen kein Problem. Für Design-Agenturen oder Marketing-Teams mit komplexen Decks relevant.

Microsoft 365-Integration

Teams, SharePoint-Integration und Echtzeit-Zusammenarbeit über Microsoft 365 funktionieren natürlich nicht in LibreOffice. Als Ersatz empfehlen wir Nextcloud mit Collabora Online — das bietet vergleichbare Funktionen auf eigener Infrastruktur.

Sehr komplexe Excel-Modelle

Finanzmodelle mit Hunderten von Formeln, verschachtelten WENN-Funktionen und Power Query laufen in der Regel in LibreOffice Calc — aber Power Query und Power Pivot gibt es in LibreOffice nicht. Für Standard-KMU-Tabellen kein Problem. Für spezialisierte Finanzabteilungen kann das relevant sein.

Praxistipp: So gelingt die Umstellung

Der wichtigste Faktor ist nicht die Software — es sind die Mitarbeiter. Diese Vorgehensweise hat sich in der Praxis bewährt:

  • 1. Schritt: LibreOffice parallel zu Microsoft Office installieren — eine Woche zum Ausprobieren
  • 2. Schritt: Häufig genutzte Dokumente in LibreOffice öffnen und prüfen
  • 3. Schritt: Einstellung: Standard-Speicherformat auf .docx/.xlsx setzen
  • 4. Schritt: 2-stündige Gruppeneinweisung — wir zeigen die wichtigsten Unterschiede
  • 5. Schritt: Microsoft Office deinstallieren — nach 2 Wochen parallel

Häufige Fragen zu LibreOffice

Kann ich LibreOffice-Dateien an Kunden schicken die Microsoft Office nutzen? +
Ja — problemlos. Wir stellen in den Einstellungen ein, dass LibreOffice standardmässig im .docx/.xlsx/.pptx-Format speichert. Ihre Kunden sehen eine normale Word/Excel-Datei und merken keinen Unterschied. Für Dokumente die Sie nur versenden wollen empfehlen wir grundsätzlich PDF — das sieht auf allen Geräten identisch aus.
Gibt es LibreOffice auch für Windows oder nur für Linux? +
LibreOffice läuft auf Windows, macOS und Linux. Das ist besonders nützlich bei schrittweisen Migrationen: Sie können LibreOffice zunächst auf Windows-Rechnern einführen, Mitarbeiter daran gewöhnen — und erst danach zu Linux wechseln. So sind zwei Übergänge auf einmal vermieden.
Wie lange dauert die Eingewöhnung für Mitarbeiter? +
Erfahrungsgemäss 3–5 Arbeitstage für die erste Gewöhnung, 2–3 Wochen bis zum normalen Arbeitstempo. Mitarbeiter die hauptsächlich Standardaufgaben erledigen (E-Mails, Briefe, einfache Tabellen) sind oft nach einem Tag produktiv. Die grösste Herausforderung sind Tastaturkürzel und Menüstrukturen die sich leicht unterscheiden.
Gibt es professionellen Support für LibreOffice? +
Die LibreOffice-Community bietet ausgezeichnete kostenlose Dokumentation. Für Unternehmen übernehmen wir den Support — im Rahmen unserer Supportverträge oder auf Stundenbasis. Praktisch alle Fragen die nach einer Migration entstehen sind in 5–15 Minuten geklärt. Nach den ersten 2–3 Wochen werden Support-Anfragen zu LibreOffice erfahrungsgemäss sehr selten.

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